Wohnungsbau bricht ein – Baubranche stagniert

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Die Baubranche in Mecklenburg-Vorpommern stagnierte im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr. Gestiegene Zinsen und hohe Baukosten bremsen die Nachfrage. „Insbesondere im Wohnungsbau sind Investoren und Auftraggeber abgesprungen. Die Talfahrt hält seit Mai in Mecklenburg-Vorpommern an. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht“, erklärt Dr. Jörn-Christoph Jansen, Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V., anlässlich der Vorstellung der monatlichen Eckdaten des Baugewerbes für Mecklenburg-Vorpommern per 31.12.2022, die vom Statistischen Amt M-V und dem Statistischen Bundesamt herausgegeben wurden.

„Die Umsätze in der Bauwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern sind zwar auf den ersten Blick einschließlich der Preiserhöhungen (nominal) um 19,6 Prozent von Januar bis Dezember gestiegen. Preisbereinigt (real) ist das aber nur ein Plus von 2,3 Prozent. Ein starker Monat Dezember mit zahlreichen Schlussrechnungen hat Schlimmeres verhindert. Tatsächlich trübt sich die Baukonjunktur ein“, so Dr. Jörn-Christoph Jansen weiter.

Umsatz
Der Gesamtumsatz im Dezember lag bei einem Plus von 88,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Umsatzsteigerung lässt sich beinahe alleine auf den Wohnungsbau zurückführen. Zahlreiche Projektfertigstellungen und dadurch bedingte Schlussrechnungen spiegeln sich in einem Plus von 374 % wieder. Natürlich ist ein Großteil auch auf die Baupreiserhöhungen zurückzuführen. Der Wirtschaftsbau fällt mit einem nominalen Plus von 4,8 % eher schwach aus. Preisbereinigt wird der Umsatz negativ sein. Die Umsätze im Öffentlichen Bau von 12,5 % bleiben hinter dem Jahressdurchschnitt zurück.

„Öffentliche Auftraggeber und Unternehmen halten sich wegen teurerer Finanzierungen und hochschießender Baupreise zurück. Dazu kommt Unsicherheit um den Ukraine-Krieg. Zugleich profitierte die Baubranche noch von einem Auftragspolster aus besseren Zeiten. Tatsächlich wurden im Dezember 14,5 Prozent weniger Arbeitsstunden geleistet als im Vorjahresmonat. Insofern täuschen die Umsatzzahlen über die wahre Krise hinweg“, erläutert Dr. Jörn-Christoph Jansen.

Auftragseingänge
Die Auftragseingänge liegen im Dezember mit 59,7 % deutlich über dem Vorjahresmonat. Hier fällt der Öffentliche Bau mit einem Plus von 128,6 % besonders stark ins Gewicht. Auch der Wirtschaftsbau trägt mit 51,2 % zum guten Dezemberergebnis bei. Der Wohnungsbau verzeichnet allerdings mit einem Minus von 33,4 % einen neuen Negativrekord.

„Der Einbruch auf dem Wohnungsmarkt wird immer deutlicher. Der Auftragsrückgang im Dezember liegt noch einmal deutlich über dem negativen Jahresdurchschnitt von Minus 7,4 Prozent. Ohne Förderprogramme von Bund und Land für sozialen Wohnungsbau wird sich der Mangel an Wohnraum nicht beheben lassen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes Dr. Jörn-Christoph Jansen.

Beschäftigung
„Die Beschäftigung wächst mit 0,7 Prozent im Dezember 2022 im Vergleich zum Vorjahr und mit 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht. Die Bauwirtschaft ist trotz realem Umsatz- und Auftragsrückgang ein zuverlässiger Arbeitgeber“, schließt Dr. Jansen.

Alle Angaben beziehen sich auf Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern

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